Marrakech

Rabat

Fes

Berber: Die Ureinwohner von Marokko

Wenn du Urlaub in Marokko machst, wirst du oft mit Berbern in Kontakt kommen, sie sind die ersten Bewohner von Marokko. Berber werden auch Amazigh genannt. Die Berber leben aber nicht nur in Marokko, sondern auch in Algerien, Tunesien, Libyen, Mauretanien und auch weiter südlich in Afrika. Über eine ursprüngliche Herkunft des Berbervolks weiß man nicht viel, da es keine zugrundeliegende Berber-Schriftsprache gibt – somit fehlen historische Belege.

Wenn jemand Berberabstammung hat, dann wurde mir das während meiner Reisen stets gesagt. Darum gehe ich davon aus, dass ein Marokkaner stolz ist, wenn er Berber ist. Doch wer oder was sind die Berber eigentlich? Die Berber sind eine Volksgruppe (indigene Ethnie) die vorwiegend in Nordafrika (Marokko, Algerien, Tunesien, Lybien und Mauretanien) anzutreffen ist. Was bedeutet das Wort Berber? Der Name Berber entstammt den Römern, die alle Völker, die nicht ihrer Sprache mächtig waren schlichtweg unschön als Barbaren bezeichneten. Die Berber selbst nennen sich Imazighen was übersetzt freie Menschen oder edle Menschen bedeutet. Das ist doch eine viel schönere Bezeichnung.

Aber eines ist gewiss, man kann bei den Berbern nicht von einheitlichen Völkern wie z.B. bei den Germanen sprechen – es gibt zwar viele soziale Gebilde unter den Berbern, deren Grundlage eher familiär bedingt ist. Die Klans oder Großfamilien sind das Zentrum des sozialen Lebens der Berber. Zusammenhalt ist in dieser traditionellen Formation der Verwandschaftsgruppen wichtig – denn Einzelkämpfer haben es in der Berberkultur schwer.

Eine Gemeinsamkeit ist aber die Berbersprache. Der Name „Berber“ ist auch Grundlage für das Wort „Barbaren“ – so wurden früher Leute bezeichnet die nicht Latein gesprochen haben. Eine sehr einseitige Bezeichnung, wie man sieht.

In der heutigen Zeit distanzieren sich viele Berber von dieser Benamung und bezeichnen sich lieber als „Imazighen“ – als freie Menschen. Darin finden sie ihre Identität, viele Berber verwenden auch den Namen einer kleinen Einheit ihres Volksstammes z.B. Tuareg.

Die Sprache der Berber in Marokko

Die Berbersprache wird auch als Tamazight bezeichnet und ist quasi der verbindende Dialekt wie man so sagt die Umgangssprache der Bevölkerung. Das dafür zugrunde liegende Alphabet nennt man Tifinagh – und ist eine wirklich wunderschöne Zeichenschrift.

Die Berber werden auch als Amazigh bezeichnet und sprechen eine eigene Sprache das Tamaziɣt. Mittlerweile ist Tamaziɣt auch die dritte offizielle Landessprache in Marokko neben Arabisch und Französisch. Die Berbersprache hat auch eigene Schriftzeichen, so schreibt man zum Beispiel das Wort „Berber“ = ⵉⵎⴰⵣⵉⵖⵏ

Seit 2011 ist in der marokkanischen Verfassung das Marokkanische Tamazight als Standard- und Amtssprache angeführt. Das ist ein wichtiges Zeichen für die Sichtbarmachung und Identitätsfindung der Berber im eigenen Land in Marokko. Grundsätzlich gibt es drei Berberdialekte, deren Ursprung in der geografischen Region liegen.

  • Im Norden und Nordosten des Rifgebirges spricht man Tarifit/Rifisch
  • Im Mittleren Atlas wird Tamazight/Mazirisch gesprochen
  • Das Gebiet des Hohen und Anti-Atlis ist dem Taschelhit/Schlöh zugeordnet.

Berber & Araber: Was ist der Unterschied?

Der Unterschied liegt in den vollkommen anderen Kulturen der Völker. Ob es die Sprache ist oder die Bräuche – eigentlich ist die einzige Verbindung beider Völker der Islam, die gemeinsame Religion. Vor der Eroberungszügen fremder Völker ins nördliche Afrika fanden die Berber ihren Gott in Sonne und Bäumen – ein Volk, das im Einklang mit der Natur lebte. Schließlich schaffen es die Araber, das Berber-Volk aus den fruchtbaren Ebenen zu vertreiben. Sie zogen sich in die Berge zurück, und lebten dort ihre Tradition weiter. Bis sie schließlich doch zum Islam überwechselten.

Marokko ist historisch betrachtet kein arabisches Land

Die Berber sind also das ursprüngliche Volk Nordafrikas, und somit auch Marokkos Urbevölkerung. Heute leben Berber und Araber in friedlicher Koexistenz miteinander. Doch das war nicht immer so, denn marokkanische Herrscher wie König Hassan II verwehrte den Berbern in ihren Rückzugsorten in den Bergen lange die Efrungenschaften der modernen Zivilisation, wie etwa Elektrizität. Auch heute fällt dir das einfache Leben noch auf, wenn du den Atlas überquerst. Da wird die Wäsche noch auf den Steinen und Sträuchern vor dem Haus zum Trocknen aufgehängt. Der aktuelle König Mohammed VI hat sich dem Berbervolk wieder geöffnet, in dem Bewusstsein, dass 80% der Marokkaner Berberabstammung sind – eine weise Entscheidung für sein Volk.

Kulturspuren der Berber

Es ist bemerkenswert, dass in der Berberkultur die Rolle der Frauen besser ist wie generell in der arabischen Kultur, so können sich z.B. bei den Tuareg die Frauen von sich aus scheiden lassen. Durch die Arabisierung der Berber sind aber dennoch viele Freiheiten der Frauen wieder verschwunden. Während die Tuareg noch immer ein Nomadenvolk sind, sind die anderen Berberstämme mit der Zeit sesshaft geworden. Ursprünglich ist der Glauben der Berber an der Natur ausgerichtet, viele Mythen und Märchen zeugen noch heute davon. Durch die Eroberungsfeldzüge von Frankreich, Spanien aber auch dem arabischen und osmanischen Reich gab es immer wieder große Religionsschwämmen, die den Berbern quasi aufgezwungen wurden.

Wie ticken die Berber?

Die Berber sind sehr dem westlichen Leben zugetan und weltoffen in ihrer Geisteshaltung. Auffällig ist auch, dass sich die Berberfrauen nicht das Gesicht bedecken. Auch ihre Gewänder sind kunterbunt und strahlen etwas Positives ab. Als wir über die Atlas Region in Richtung Marrakech unterwegs waren, ist mir aufgefallen, dass in Gorge de Toudra viele Frauen eine Art weißes Spitzentuch umgehängt hatten. Unser Guide Moha erklärte mir, dass dies eine regionale Tracht sei, und ich sehen werde, dass in einer anderen Region nämlich rund um das Dades Valley diese Spitzentücher in Schwarz getragen werden. Ja und so war es auch.

Berber Tätowierungen

Die Berber Frauen trugen kenntliche Tätowierungen, sogar im Gesicht. Heute sieht man das vorwiegend nur mehr bei älteren Frauen. Schriftzeichen, Ornamente und Symbole mit spirituellem Charakter waren und sind Teil der Berberkultur. Und ich muss zugeben, diese Symbole finde ich sehr ansprechend, wobei sich mir ihre Bedeutung weitgehend entzieht. Die Tätowierungen der Berber sind in blau-grün gehalten. Die blaue Farbe wird aus der Indigo-Pflanze gewonnen, und nach dem Tätowieren wurde die Stelle des Tattoos mit einer Pflanze eingerieben, die die grüne Farbe hinterlassen hat.

Nicht nur auf den Berber-Tattoos, sondern auch auf vielen Häusern, am Schmuck oder auf Geschirr findet man Muster und Ornamente. Viele davon sollen den Träger vor Unheil schützen oder Fruchtbarkeit symbolisieren – aber im allgemeinen sind sie Ausdruck der Verbindung zum Kosmos und der Natur, der der Berberkultur zugrunde liegt.

Die Berbermusik oder Berber Blues

Während meiner Marokkoreisen hat mich eines immer begleitet und das war die Musik der Berber. Der sogenannte Berber Blues ist für mich eine recht angenehme, tranceartige Musik. Ich verstehe zwar kein Wort, dennoch nehmen einen die Klänge und Rhythmen auf eine ganz eigene Reise mit. Den Ursprung hat der Berber Blues in der traditionellen Musik der Berber des Maghrebs. Sie wird nur mit wenigen Instrumenten gespielt und ist von starken Rhythmen gekennzeichnet.

Bei Hochzeiten oder wichtigen Festen sorgt die Berbermusik für die Untermalung der Feierlichkeiten. Mir wurde gesagt, dass es kaum noch echte Berbermusik gibt – aber ich habe einige Gruppen, die sich dem „Berber Blues“ zugehörig fühlen gehört, und für mich sind es schöne Volksmusik-Klänge der Berber. Ein Beispiel dafür ist die Gruppe Tinariwen.

Berberteppiche: Das Erbe der Berber

Das ist wohl für viele der erste Gedanke, mit dem sie das Wort Berber in Verbindung bringen. Die Berberteppiche mit den traditionellen Motiven der Berber Kultur sind auch heute noch ein beliebtes Souvenir aus Marokko. Doch woher kommt diese Teppichknüpfkunst eigentlich genau, und welche Rolle spielt sie im Leben der Berber heute noch. Die Teppiche dienen für die Berber als Unterlage zum Schlafen, werden an die Wand gehängt als Dekorationsobjekt und ab und zu sogar als Bekleidung verwendet.

Ich habe hier einen schönen Artikel von Alexander Göbel über die Menschen des Bergdorf Taguengoute gefunden. Mitten im Atlas sorgen hier die Frauen durch die Produktion der Berberteppiche für ihre Familien. Frisch vom Schaf muss die Wolle erstmal mühevoll in Handarbeit aufbereitet werden. Sauber und geschmeidig muss sie sein, bevor sie gesponnen werden kann. Dann wird die Schafwolle noch gefärbt und dann erst kann mit der Teppichproduktion begonnen werden. Die Muster der Berberteppiche bestehen meist aus Dreiecken und geometrischen Formen. Sie sind Symbole der Fruchtbarkeit und Zeitzeugnisse der jeweiligen Berber-Stämme.

So eine filigrane Arbeit, die an die Knochen geht. Doch wie lange braucht man um einen Berberteppich zu produzieren? Alleine benötigt eine Frau ein bis zwei Monate für einen zwei bis drei Quadratmeter großen Teppich. Wenn sie Hilfe hat, dann schaffen sie es gemeinsam in circa 2 Wochen. Das sollte man sich wirklich im Hinterkopf behalten, wenn man zu hart handelt beim Einkauf von Berberteppichen.

Add a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.